Interview mit dem Mann hinter ZevenOS: Leszek Lesner

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Passend zur in Kürze folgenden Review von ZevenOS Neptune 1.81 gibt es hier ein kurzes Interview mit Leszek, der 2008 das Projekt “Linux + BeOS-Feeling + Schnell muss es sein”, kurz: ZevenOS startete. Mittlerweile hat es ZevenOS auch in die TOP 100 bei distrowatch geschafft und hält sich dort tapfer.

Interview geführt am 18.06.2010 per E-Mail:

Linuxation: Was war das Ziel hinter ZevenOS? Es gibt dutzende von Linux-Derivate! Was hat Dir an denen gefehlt, dass Du selber eine Linux Distribution gestartet hast?

Leszek: Ein Linux mit BeOS Touch war der Hauptgrund mit ZevenOS anzufangen. Nach dem Untergang des letzten auf BeOS basierenden Systems ZETA und der sehr frühen Entwicklungsphase von Haiku (ich glaube damals hatte man es
erstmals geschafft den AppServer [also was grafisches zu starten, nämlich ein Terminal] ) strebte ich nach einem sehr schnellen System, dass auch auf meinen alten PCs/Laptops schnell laufen würde.
Gnome und KDE waren mir damals zu überladen und nicht schnell genug. Mittlerweile hat sich einiges getan, trotzdem ist es in Sachen Performance noch immer nicht da wo ich es gerne sehen würde.

Ich versuchte was zu basteln das weniger Ressourcen verbraucht als XFCE. Zunächst einmal war das für mich alleine, bis ich auf ehemalige ZETA User und Entwickler stieß die auch mit der Idee spielten eine Linux Distro mit ZETA Oberfläche und API zu gestalten. Wir fanden uns also wieder in einer Zusammenarbeit und vielen interessanten Ideen.

Aber wie es mal so ist, eine Distro hat ganz am Anfang, wenn sie sich gründet immer sehr viel interessante Ideen aber so ein 3 Monatszyklus ist immer der kritische und über 80% der Distros scheitern in diesem Zyklus. Bei uns war es beinahe auch so und es führte zu einer Abspaltung. Die meisten der ehemaligen ZETA User wurden danach auch immer weniger und die Unterstützung sank. Trotzdem war ich vom Konzept und der Idee überzeugt und wollte demnach auch für mich selbst einen perfekten und schnellen Desktop bauen.

In einer der Zebuntu (so hieß ZevenOS in der Beta Phase noch) Betas experimentierten wir auch mit einem IceWM Desktop, der im Grunde genommen sehr schlank und gut war. Ihm fehlte nur eine geeignete Konfigurationszentrale (alles wird und wurde mit Config Dateien geregelt) und ein Sitzungmanager. Das Menü war auch nicht gerade sehr dynamisch. Mittlerweile gibt es aber mit LXDE genau das, was man als inoffiziellen Nachfolger von IceWM sehen kann.

Linuxation: Wieviel Zeit verwendest Du und/oder das Team für ZevenOS?

Leszek: Wir entwickeln das in unserer Freizeit, wobei ZevenOS-Neptune nun in Version 1.9 auch ein Teil meines Studiums geworden ist. Als AI-Projekt (AI=angewandte Informatik, Anm. d. Red.) verbringe ich dafür dann mehr Zeit damit. Insgesamt kann man die Zeit schlecht zählen – ich habe das noch nicht gemacht. Manchmal wird kurzfristig etwas getestet, was interessant sein kann für ZevenOS. Manchmal kommt ein Fix hinzu, manchmal eine interessante Idee, die sofort ausprobiert wird usw.

Linuxation: Was glaubst Du, ist das “Ding” welches an ZevenOS herausragend ist, was es “anders” oder “besonders” macht wie andere Linuxe?

Leszek: Hättest du vor einem Jahr gefragt, hätte ich noch die “Geschwindigkeit” gesagt, die wesentlich schneller als der Standard XFCE Desktop unter Xubuntu ist. Mittlerweile gibt es aber mit den immer neu aufkommenden LXDE basierten Distros eine starke Konkurrenz.

Heutzutage würde ich das Argument Geschwindigkeit im Zusammenhang mit dem ziemlich vollständig ausgestatteten Desktop und der starken Multimediaunterstützung erwähnen. Wir haben in letzter Zeit sehr stark an Multimedia gearbeitet. Neben dem vollständigen Codec Support haben wir auch einen Videoeditor und eine gute Bilderverwaltung.

Dann gibts es sicherlich noch MAGi2 als Programmstarter und MAGi als Konfigurationsverwaltung, die zusammen mit dem unterliegenden MAGi-Kit eine Verwaltung der Standardapplikationen auf dem System ermöglicht. Dadurch können wir in MAGi2 einfach den Standardbrowser einstellen und dieser wird in alle möglichen anderen Anwendungen anerkannt. Das besondere ist nun, dass dies auch für alle anderen in MAGi2 verfügbaren Programmen geht. Also eine Idee weiter gedacht, als das bisherige Alternatives System von Ubuntu.

Zu guter letzt kommt natürlich das BeOS/ZETA/Haiku ähnliche Aussehen.
Wir versuchen hier vorrangig eine Oberfläche zu bieten mit der ehemalige BeOS/ZETA Nutzer klar kommen und welche einfach zu bedienen ist. Ich denke das macht uns ziemlich einzigartig in der Linux Welt.

Linuxation: Was glaubst Du, warum User ZevenOS einsetzen?

Leszek: Ich denke zum Einen wegen des vertrauten BeOS Looks und Feels. Des Weiteren um ein vollausgestattetes System zu haben, welches schnell läuft und ohne weitere Installation von Codecs oder Programmen sofort fast 99% aller am PC ausgeführten Tätigkeiten unterstützt.

Linuxation: Glaubst Du, dass User für ZevenOS zahlen würden?

Leszek: Sie haben es ja teilweise schon. Es wurden und werden immer noch Spenden eingenommen, auch wenn in letzter Zeit gar nichts mehr rein kommt. Meine Erfahrung bisher: Linux User sind es gewohnt nicht für ihr System zu
zahlen. Ehemalige BeOS/ZETA User hingegen schon.
Kurzum, ja, User würden für ZevenOS zahlen, aber nicht alle.

Linuxation: Gibt es eine Zukunft für ZevenOS, hast Du einen Plan für die nächsten Jahre?

Leszek: Der Hauptplan sieht vor, erst einmal so weiter zumachen wie bisher und die Qualität des Systems beizubehalten. Denn die Qualität des Systems ist gut und das sollte so stetig weitergeführt werden um noch mehr Leute vom
System überzeugen zu können.
Konkret geht es um die stetige Verbesserung der Performance bei Überprüfung des Komforts. Das muss in Balance bleiben. Natürlich wollen wir auch die neuen Programmen und Entwicklungen berücksichtigen und uns
so auch immer auf dem Laufenden halten.

Linuxation: Was glaubst Du, wer wichtiger für Linux in den letzten 4 Jahren war: M. Shuttleworth oder L. Torvalds?

Leszek: Ich denke L.Torvalds, da der ja am Kernel direkt mitentwickelt und Entscheidungen trifft.
Mark Shuttleworth hat aber sicherlich in Sachen Heimlinux Distribution eine Erneuerung durchgeführt, die nötig war und den Heimlinux Bereich groß gemacht hat.

Linuxation: Wer gewinnt die Fußball WM? ;-)

Leszek: Deutschland. Eine Begründung habe ich zwar nicht ganz. Ich glaube einfach ans Team. Das was ich bisher gesehen habe von den Mannschaften und angeblichen Favoriten war eher enttäuschend. Deutschland hat da bisher die beste Leistung gezeigt.

Vielen Dank für das Interview, Leszek!

Bildquelle/Leszek Lesner: ComputerClub 2.

Geschrieben von an Sonntag, 20. Juni 2010. Schlagworte Distribution, Infos, Interview, Multimedia, Software. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0. Sie können eine Antwort oder einen Trackback zu diesem Eintrag hinterlassen

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