Linuxation-Review: ZevenOS Neptune 1.81

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Linuxation-Review: ZevenOS Neptune 1.81Unlängst hatte ZevenOS einen zweiseitigen Test in der linxuser 06/2010 und der Autor des Testberichts, der Chefredakteur himself Jörg Luther, zog ein positives Fazit. So positiv, dass ich es mir nicht nehmen lassen konnte, ZevenOS einem Test zu unterziehen.

ZevenOS basiert auf einem grml-Kernel, Debian Lenny Repository und einem schnellen Xfce Desktop. Die Gründe, einen grml-Kernel zu nehmen, liegen darin begründet, dass dieser die lzma Kompression für squashfs bereits eingebaut hatte und das Team von ZevenOS die CD Version unter 700 MB drücken wollte, damit das ISO Image keinen DVD Rohling benötigen würde.

Der Mann hinter ZevenOS, Leszek Lesner, hatte drei Punkte auf dem Zettel, als Ihm die Idee mit ZevenOS über den Weg lief:

1. Er wollte den BeOS-Touch
2. Er wollte Geschwindigkeit
3. Er wollte die multimedialen Fähigkeiten, die BeOS und am Ende die (leider) Totgeburt “Zeta” auszeichneten.

Die Basis dafür lieferte Linux und nun gibt es seit einigen Wochen die Version Neptun 1.81 zum Download. Neptune ist eine Version, die inspiriert wird von der kleinen Community rund um ZevenOS.
Diese Version schauen wir uns nun etwas genauer an.

Der Neptun Desktop zeigt sich frisch und in dezentem maritimen Blau, ganz dem Versionenamen entsprechend:

zevenos_desktop_klein_0

Am unteren Bildrand fügt sich die zeebar ein, die einen schnellen Zugriff auf wichtige Programme ermöglicht. Am oberen Bildrand, wie man es auch von Ubuntu her kennt, gibt es eine Leiste mit Menü, verschiedenen Bereichen, wie z.B. die Anzeige der geöffneten Programmfenster, Desktop-Umschalter, die verschiedenen Nachrichtensymbole des Netzwerkmanagers, der Stromversorgung etc.

Die Installation von ZevenOS Neptune ist dagegen nicht Ubuntu “like”, sie ist sogar sehr spartanisch gehalten. Auch aus diesem Grunde liegt auf dem Desktop der Live-CD eine kleine Installationsanleitung bereit. Es werden zwar die wichtigsten Dinge einer Installation wie die “Root-Partition”, “User-Name und Passwort”, “Root Passwort”, ggf. eine “Home-Partition” etc. abgefragt, dennoch ist damit ein einfacher “Neuling” etwas überfordert.

Sind diese kleinen Hürden der Installation geschafft (Achtung, das Installations-Script trägt etwaige Windows-Partitionen nicht in den Bootmanager ein!), zeigt sich der römische Gott Neptun mit einer schnellen Boot-Sequenz von seiner besten Seite. Ein sehr stylisches Anmeldefenster fordert den User zur Eingabe seines Passwortes auf und schon hat er Zugriff auf viele Dinge, die uns Neptun bietet.

Wo fangen wir an? Was sicher zuerst auffällt ist das Icon “MAGI 2″, welches sich auf dem Desktop wieder findet. “MAGI 2″ ist ein Programmstarter, der auch gleichzeitig das Standardprogramm für eine Anwendung festlegt. So kann man nach dem Start von “MAGI 2″, der Auswahl “Internet” und einem Rechts-Klick mit der Maus auf “Web Browser” den Standard-Browser auswählen, falls mehrere vorhanden sind. Diese Auswahl wird dann systemweit durch das darunter liegende “MagiKit” durchgesetzt.

Auswahl des Standard-Browsers:

Auswahl des Standard Browsers

Die Anordnung und die Bedienung von “MAGI 2″ und respektive MAGI sind zwar aufgrund der Lage der Icons etwas gewöhnungsbedürftig, die Gewöhnungphase endet aber sehr schnell und der User ist sehr froh über ein zentrales Konfigurationstool. Hier punktet ZevenOS ganz klar, ist die Konfiguration doch meist eher verteilt.

Was einem erst nach einigen Minuten klar wird, ist das flüssige Arbeiten mit ZevenOS “Neptun”. Der Test findet zwar auf einem ausgewachsenen Laptop neuer Bauart statt ( einem Gerät mit NVIDIA Chipsatz, 4 GB RAM, einem Pentium P8700 mit 2,5 GHz), auf dem allerdings auch schon andere Linux-Vertreter zum Test antreten mussten und hier schlägt sich Neptun ganz hervorragend. Selbst mit 3 vollgestopften Desktops voller Programme, dauert der Wechsel der Desktops nur ein Wimpernschlag. Programme, Menüs und der Neustart der Programme geht sehr schnell und zügig von statten. Daumen hoch Leszek, dieses Ziel wurde erreicht!

Die Installation des NVIDIA-Treiber, die bequem per MAGI angestoßen werden kann, funktioniert bei meiner Wlan Lösung leider nicht. Da das Script den Treiber in der Konsole installieren muss, verflüchtigt sich bei mir das Netzwerk beim Wechsel in den Konsolenmodus. Allerdings bringt ein Workaround die erhoffte Unterstützung der NVIDIA-Grafikkarte:

Download des Treibers auf http://www.nvidia.com
auf Konsole wechseln ALT+F1
su
chmod +x NVIDIA-Linux-x86-195.36.31-pkg1.run
killall gdm
./NVIDIA-Linux-x86-195.36.31-pkg1.run

Danach kommt noch eine Warnung wegen der angeblich falschen gcc Version, das kann man aber übergehen. Nach Abschluss wird der PC einmal neu gestartet und es läuft.

Multimedia, ehemals keine Domäne von Linux ist heute kein Thema mehr. Im Gegenteil, Linux wartet mit soviel an Multimedia auf, dass der User bei einigen Distributionen erschlagen wird. Was erwartet uns bei Neptun und was muss der User noch tun, um in den Genuss der multimedialen Möglichkeiten zu kommen?

Starten wir bei etwas banalem wie der Musik CD, kurz nach dem Einlegen der CD erscheint Audacious, ein Klick auf den Play Button und schon erklingt vertraute Musik aus dem Lautsprecher. Rythymbox und der Gnomeplayer stehen auch noch bereit, um Musik CDs abzuspielen.

Film-DVDs: Nach Installation einer Bibliothek zum Auslesen von DVDs stand dem Genuss der selbigen nichts mehr im Wege, im Fenster, wie auch im Vollbild:



Zur Aufnahme des Desktops wird gtk-recordMyDesktop mitgeliefert. Allerdings war der Ergebnis mehr als ernüchternd. Der ”Istanbul Desktop Session Recorder” hat auch Probleme, ein sauberes Screenrecording durchzuführen: Er bricht einfach beim Encodieren ab.

In der Schnelle funktionierte Wink, hier muss nur vor der Aufruf des Installationsscript ein Softlink gesetzt werden:
ln -s /usr/lib/libexpat.so.1.5.2 /usr/lib/libexpat.so.0

Wink bietet hier aber mehr als reines Screenrecording an. Die Aufnahme kann mit Texten und Hinweisen versehen werden, sodass ganze Online-Tutorials möglich sind. Dennoch bleibt der Output klein genug, da sich Wink des Flash-Formates bedient.

Sehr gut dagegen funktionierte YAVTD, einem Youtube Downloader, der das Abspielen, Downloaden und Konvertieren nach *mpg und *mp3 beherrscht.

Mit Encode liegt ein Programm bei zum Konvertieren von Videos und Erstellen von Video-CDs. Mit Encode kann sehr einfach ein Video, auch mehr als eines gleichzeitig, in MPEG2 , VCD (Mpeg1) und AVI (DivX / Xvid / MPEG 4 Part 10) konvertiert werden. Mit Brasero steht dann auch ein Brenn Programm zur Verfügung, um die Videos auf eine CD oder DVD zu bannen.

Videobearbeitung erledigt Neptune mit OpenShot. Mit vielen Übergangseffekten und Videofiltern unterstützt OpenShot auch das Überblenden von transparenten Bildern auf Videos.

Als Büroanwendung steht OpenOffice in der 3.2.0 Version bereit und arbeitet unter Neptun sehr flüssig und schnell, was man von OO ja nicht immer behaupten kann.

Sehr gut gefallen hat mir der Disk Manager, der einen Überblick über die vorhandenen Festplatten gibt und ggf. das Mounten und das Aushängen ermöglicht:

Disk Manager

Fazit:
Neptune versucht den Anforderungen und Ideen der eigenen kleinen Community gerecht zu werden. Dabei spielen Multimedia, Schnelligkeit sowie das Handling eine wichtige Rolle.
In Sachen Handling und Geschwindigkeit ist Neptune vorne dabei und hat seine Hausaufgaben gemacht. Die Auswahl der Multimedia Programme ist sehr gut und lässt selten Wünsche offen.
Beim Zusammenspiel zwischen Programmen, verfügbaren Codecs und Bibliotheken muss Neptune noch nach legen.
Die eigenen Tools wie “MAGI 2″, wenn auch etwas ungewohnt zu bedienen am Anfang, sind ein guter Weg, Konfigurationen an einem Ort zu sammeln.
Allemal ist Neptune/ZevenOS ein Blick wert, wenn man einmal eine Distribution testen möchte, die Abseits vom Linux Mainstream vielleicht ihre Nische gefunden hat oder finden wird.


Geschrieben von an Sonntag, 20. Juni 2010. Schlagworte Distribution, Software. Sie können alle Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0. Sie können eine Antwort oder einen Trackback zu diesem Eintrag hinterlassen

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